Günter Rhein wirbt für Hospizarbeit

„Menschen beschäftigen sich erst mit dem Sterben, wenn sie selber im näheren Umfeld mit dem Tod konfrontiert werden“, ist sich Günter Rhein sicher. Diese Worte kommen dem ehemaligen Bürgermeister von Waren (Müritz) nicht von ungefähr über die Lippen. „Ich selber hab es ja nicht viel anders getan“, muss der 71-Jährige eingestehen. Mit den Jahren änderte Günter Rhein aber seine Einstellung zum Leben, zum Sterben und zum Tod. „Der Tod gehört unweigerlich zum Leben“, unterstreicht Rhein, der seit einigen Jahren als Hospizbotschafter in der Mecklenburgischen Seenplatte aktiv ist. „Das Deutsche Rote Kreuz hat vor acht Jahren mit dem stationären Hospiz einen steinigen, aber wegweisenden Schritt in Richtung Akzeptanz gewagt.

Nach und nach rückte die Hospizarbeit in den Fokus der Öffentlichkeit und wurde zum Thema, das aus der Tabuzone kam“, erinnert sich Günter Rhein. Das war auch die Zeit, als Rhein sich selber mit dem Thema befasste. „Die Hospizarbeit ist nicht nur wichtig, sondern auch sehr vielfältig. Nicht nur Sterbenskranke werden auf höchstem Niveau palliativ versorgt, sondern auch Angehörige werden betreut und aufgefangen“, so der Hospizbotschafter, der sich regelmäßig über die Arbeit und Möglichkeiten informierte. Aber Günter Rhein, der selber in der Müritzregion wohnt, merkte auch, die Entfernung und damit verbundenen Fahrten in das 45 Kilometer entfernte Neustrelitz sind enorm. „Wie mag es da erst älteren und nicht mobilen Angehörigen gehen“, fragte sich nicht nur Günter Rhein, sondern auch der DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte. Mit der Novellierung des Hospiz- und Palliativgesetzes und der damit verbundenen Senkung des Eigenanteils der Träger auf fünf Prozent, was jährlich etwa 45.000 Euro bedeutet, reiften die Pläne bei Roten Kreuz, eine weitere Versorgungslücke zu schließen und in Waren (Müritz) ein stationäres Hospiz zu eröffnen. „Es hat eine lange Zeit gedauert, bis die Krankenkassen von der Notwendigkeit einer derartigen Einrichtung am größten deutschen Binnensee überzeugt werden konnten“, erinnerte sich Günter Rhein an die Startschwierigkeiten.

Eine weitere Hürde, das passende Baugrundstück, war schneller genommen. „Das Objekt sollte nicht irgendwo und fernab, sondern mitten im Leben und im Herzen von Waren (Müritz) errichtet werden“, verdeutlichte Sascha Zwerg als Leiter der Einrichtung, die mittlerweile im Oktober die ersten Gäste begrüßen durfte. In der Thomas-Mann-Straße wurde das stationäre Hospiz in einem modernen Pflegeheim integriert. Ein Einkaufsmarkt in der Nähe, unmittelbar nebenan eine Kindertagessstätte und eine Schule. „Ja es gab und gibt Skeptiker und wir dürfen den Menschen die Angst auch nicht übelnehmen, aber das Leben geht bis zum Ende und auch Sterbenskranke wollen bis zum Schluss würdig leben. Zudem handelt es sich hierbei nicht um eine Siechstation, sondern auch hier wird gelacht und gelebt“, verdeutlich Rhein. Das will er auch als Hospizbotschafter den Zweiflern näherbringen und bietet als Unabhängiger Gespräche und Infotage an. „Hospizarbeit ist eine sehr persönliche Angelegenheit, mit viel Liebe und Engagement“, so Günter Rhein. „Die Sterbebegleitung hier ermöglicht ein würdiges Sterben und schenkt den verbleibenden Tagen mehr Leben, denn die psychische und physische Belastung wird von den Bewohnern und deren Angehörigen genommen“, unterstreicht der Hospizbotschafter. Aber der Tod wird nicht als harter Schnitt gesehen und die Arbeit beendet.

„Die Trauerbegleitung und die emotionale Empathie sind ebenso wichtig, wie die Sterbebegleitung an sich“, zeigt Günter Rhein die Vielfältigkeit der Hospizarbeit auf. Ebenso wichtig ist es, Menschen zugewinnen, die sich mit der Hospizarbeit verbunden füllen und sich engagieren. „Aus diesem Grund will ich auch in der Müritzregion für Unterstützer werben, die als Hospizpaten eine wichtige Stütze für das Hospiz in Waren (Müritz) bilden“, so Günter Rhein. Wie Wichtig ein stationäres Hospiz im mecklenburgischen Soleheilbad ist, zeigt die Auslastung der spezialisierten Pflegeeinrichtung im „Müritzpark“. „Seit der Eröffnung haben wir bereits 22 Frauen und Männern den Wunsch auf einen würdevollen Lebensabend ermöglichen können“, bilanziert Sascha Zwerg die ersten vier Wochen seit der Eröffnung.