Wölfe im Hospiz

Schwer erkrankt, zog Marita Peters im September 2020 in das Warener Hospiz „Müritzpark“ ein, um den verbleibenden Tagen mehr Leben zu geben. Hier fand die Frau aus Dargun neue Lebensfreude, denn jeder ihrer kleinen Wünsche wurde durch das Team um Hospizleiterin Claudia Bajorat erfüllt. Das heißt, fast alle Wünsche. Marita Peters liebt Tiere und eine Gattung hat es der Frau besonders angetan. Kuscheltiere, Bilder, ihr Lieblingspullover und jede Menge Accessoires zeigen ganz deutlich, der Wolf ist das Lieblingstier der Dargunerin. Einen Wolf mal hautnah sehen, stand noch auf dem Wunschzettel von Marita Peters. „Aber das wird wohl nichts“, sagte die Hospizbewohnerin ein ums andere Mal. Doch für Herzenswünsche findet das DRK-Team immer einen Weg. Auch für diesen ungewöhnlichen.

„Lass uns mal etwas spazieren und eine Runde frische Luft schnappen“, lockte Katharina Wennmann die Bewohnerin am Mittwochvormittag aus dem Zimmer. Ein dicker Mantel und warme Decken gegen den eisigen Wind und schon ging es vor das Pflegezentrum. Dass gleich mehrere Mitarbeiter und eine weitere Bewohnerin mitkamen, machte Marita Peters zwar etwas stutzig, dennoch nahm es die Seniorin gelassen. Als dann noch der Sohn auf der Terrasse wartete, fing die Frau doch an zu grübeln und fragte in die Runde: „Was machen wir denn jetzt hier draußen?“ Verschmitztes Lächeln und geheimnisvolle Stille waren die einzigen Antworten, die es von den Anwesenden gab. Schließlich gesellte sich mit Thomas Frost noch eine weitere Person in die Runde. „Hallo, ich bin ein Wolfspädagoge“, stellte sich Mann aus Mestlin vor und griff in seine Jacke und holte einen kleinen Wolf aus Plüsch hervor. „Ich habe gehört, sie sind schon eine kleine Expertin. Dann wissen sie ja sicher, dass der Wolf nicht wie immer in Märchen beschrieben, der ganz Böse ist“, stieg Thomas Frost ein und löste die Überraschung auf. „Sie haben heute die Möglichkeit für ein exklusives Treffen mit zwei meiner Wolfshunde. Haben sie Lust“, fragte der Tierschützer und ahnte schon die Antwort. Auch wenn Marita Peters sprachlos vor Glück war, gab sie zu verstehen: „Natürlich, auf jeden Fall!“

Und so verabschiedete sich Thomas Frost kurzzeitig, um wenige Minuten später mit Dakota, einem stattlichen Wolfshundrüden, zurückzukehren. Friedlich und mit großer Neugier schnupperte sich der Wolfshund durch die Runde und legte sich schließlich ab. „Der Wolf ist eigentlich ein großer Schisser, aber er hat erkannt, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht“, so Thomas Frost und klärte über jede Menge Vorurteile und Falschinformationen auf. Marita Peters saugte das neue Wissen förmlich auf und beobachtete dabei unentwegt den Wolfshund. Und dieser bemerkte das innere Verlangen der Frau, einmal einen Wolf streicheln zu dürfen. Langsam ging Dakota auf die Seniorin zu und ließ sich mit Streicheleinheiten verwöhnen. „Der ist wunderschön“, flüsterte Marita Peters und vernahm ein leises Wolfsgeheul in der Ferne. „Ich habe seinen Sohn Ghost noch im Auto und würde ihn jetzt noch dazu holen“, klärte Thomas Frost auf. „Ja, unbedingt“, freute sich Marita Peters und wurde schließlich von zwei Wolfshunden überrascht. Über eine Stunde trotzte die Frau dem eisigen Wind und spürte jede Menge Wärme in ihrem Herzen. „Vielen Dank, das war unbeschreiblich schön“, dankte die Hospizbewohnerin für die gelungene Überraschung und der Erfüllung eines Herzenswunsches.